

EMDR: Methode, Ablauf und Abgrenzung zur Hypnose
Wie EMDR mit geführten Augenbewegungen arbeitet, wie eine Sitzung aufgebaut ist, was seit 2015 anerkannt ist und wie es sich von Hypnose unterscheidet.
EMDR ist ein psychotherapeutisches Verfahren, bei dem eine klar benennbare belastende Erinnerung gezielt aufgerufen und dabei von geführten Augenbewegungen begleitet wird. Die Abkürzung steht für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing", auf Deutsch „Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen". Entwickelt wurde die Methode von Francine Shapiro. Seit Mitte der Neunzigerjahre wird sie vor allem in der Traumatherapie eingesetzt.
Wenn Sie Verfahren miteinander vergleichen, ist der entscheidende Unterschied dieser: EMDR setzt nicht auf Suggestion, sondern auf Nachverarbeitung. Es geht nicht darum, eine neue Vorstellung anzubieten, sondern darum, ein unverarbeitetes Erlebnis dem normalen Verarbeitungsvorgang im Gehirn zuzuführen.
Wie EMDR arbeitet: bilaterale Stimulation statt Suggestion
Im Mittelpunkt steht die gleichzeitige Stimulation verschiedener Gehirnareale durch geführte Augenbewegungen. Die Erinnerung wird kurz aktiviert, meist über ein inneres Bild, eine damit verbundene Überzeugung, die begleitenden Gefühle und die körperlichen Empfindungen. Währenddessen folgen die Augen einer Bewegung von einer Seite zur anderen, die die begleitende Fachperson vorgibt.
Dieses abwechselnde Links-Rechts-Muster wird als bilaterale Stimulation bezeichnet. Die geführte Augenbewegung ist das kennzeichnende Element und hat dem Verfahren seinen Namen gegeben.
Die Erinnerung wird dabei nicht gelöscht und nicht durch eine fremde Deutung ersetzt. Verändern kann sich, wie intensiv sie erlebt und wie sie innerlich eingeordnet wird. Wie weit diese Veränderung reicht und wie schnell sie eintritt, lässt sich vorab nicht festlegen.
Wie eine EMDR-Sitzung aufgebaut ist
EMDR ist mehr als eine Serie schneller Augenbewegungen. Das Verfahren ist strukturiert und wird in acht Behandlungsphasen beschrieben, die von der Vorbereitung bis zur späteren Überprüfung reichen. Der konkrete Zuschnitt richtet sich nach der fachlichen Einschätzung und Ihrer Situation.
- Vorgeschichte und Planung: welche Erinnerung bearbeitet werden soll und ob das Verfahren für die aktuelle Situation infrage kommt.
- Vorbereitung: Ablauf, Stoppsignal und Möglichkeiten zur Stabilisierung werden besprochen, bevor etwas aktiviert wird.
- Bewertung: Bild, belastender innerer Satz, Gefühle und Körperempfindungen werden erfasst, dazu die gegenwärtige Belastungsstärke.
- Durcharbeiten: in kurzen Serien geführter Augenbewegungen bleibt die Aufmerksamkeit bei dem, was auftaucht.
- Verankern: die Sitzung richtet sich darauf, welche Einordnung der Erinnerung inzwischen tragfähig ist.
- Körpertest: es wird geprüft, ob beim Gedanken an die Erinnerung noch deutliche körperliche Reaktionen bestehen.
- Abschluss: die Sitzung wird kontrolliert beendet, auch wenn die Verarbeitung noch nicht abgeschlossen ist.
- Überprüfung: in einer späteren Sitzung wird nachgesehen, wie die Erinnerung jetzt erlebt wird.
Zwischen den Serien liegt jeweils eine Pause. Gedanken, Bilder, Gefühle oder körperliche Veränderungen werden kurz wahrgenommen, ohne dass Sie sie ausführlich erklären müssen. Eine einzelne Sitzung muss nicht dazu führen, dass eine Erinnerung vollständig verarbeitet ist.
Anerkennungsstand: was belegt ist
EMDR ist seit dem 3. Januar 2015 als Psychotherapiemethode in der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt, und zwar für die Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen bei Erwachsenen durch approbierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Zur wissenschaftlichen Anerkennung liegen abgeschlossene Gutachten getrennt für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche vor.
Lesen Sie diesen Stand genau: Er bezieht sich auf einen klar begrenzten Anwendungsbereich und auf eine klar benannte Berufsgruppe. Er bedeutet nicht, dass EMDR für jedes Anliegen gleich gut untersucht oder gleich gut geeignet ist.
Kritik und offene Fragen
Zu EMDR wird auch kritisch gefragt, und die Fragen sind berechtigt. Diskutiert wird vor allem, welchen eigenen Anteil die Augenbewegungen am Ergebnis haben und wie viel auf die übrigen Bestandteile zurückgeht: auf die strukturierte, dosierte Zuwendung zur Erinnerung, auf die fokussierte Aufmerksamkeit und auf die Beziehung zur begleitenden Fachperson. Eine anerkannte Methode und offene Fragen zum Wirkmechanismus schließen sich nicht aus.
Hinzu kommt: Eine belastende Erinnerung erneut zu aktivieren, kann vorübergehend anstrengend sein. Starke Gefühle, Unruhe oder Erschöpfung nach einer Sitzung sind möglich. Genau deshalb gehören Vorbereitung, Stoppsignal und ein kontrollierter Abschluss zum Verfahren, und genau deshalb ist EMDR keine Technik, die man ohne Einordnung auf eigene Faust anwendet.
EMDR und hypnosebasierte Arbeit im Vergleich
Beide Ansätze arbeiten mit fokussierter Aufmerksamkeit und innerem Erleben. Methodisch setzen sie an verschiedenen Stellen an.
| Merkmal | EMDR | Hypnosebasierte Arbeit |
|---|---|---|
| Ansatzpunkt | eine einzelne, benennbare belastende Erinnerung | ein fokussierter Aufmerksamkeitszustand |
| Technik | Serien bilateraler Stimulation durch geführte Augenbewegungen | angeleiteter hypnotischer Prozess |
| Rolle der Sprache | begleitend, nicht suggestionsbasiert | Suggestion und innere Vorstellung sind Arbeitsmittel |
| Zielrichtung | Nachverarbeitung des Aufgerufenen | Arbeit an Erleben, Mustern und Zielen |
| Trance | nicht erforderlich | ausdrücklich einbezogen |
Welcher Weg zu Ihnen passt, entscheidet sich nicht am Namen der Methode, sondern an Ihrem Anliegen, Ihrer Belastbarkeit und dem Rahmen, in dem die Begleitung stattfindet. Hypnose ist ein Verfahren, kein Wunder: Sie ergänzt eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung und ersetzt sie nicht.
Erstgespräch in Hamburg
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